 .....zwischen Chile und Argentinien Die karge Steppenlandschaft des Südens wandelt sich in der Mitte Argentiniens zu einer Berglandschaft mit Seen,
die gegenseitig mit ihrer Klarheit und ihrem tiefem Blau zu konkurrieren scheinen. Weiße Gletscher erheben sich hinter Seen, Wäldern und Häusern und verleihen der Natur und eine noch größere Idylle. Bei solch einer Umgebung ist Wandern eine schönsten Urlaubsunternehmungen, die man sich vorstellen kann, vor allem im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien...
Verlaufen im Wald und Zelten zwischen Kuhfladen
Von El Bolson (Nähe Barriloche) brechen wir mit dem Bus in den "Parque National Lago Puelo" auf. Vom hiesigen Campingplatz fahren wir mit dem Boot zum Beginn des Wanderweges. Nach fünfminütiger Fahrt werden wir kurzerhand an einem menschenleeren Steg ausgesetzt und müssen uns selbst zurecht finden. Das ist leichter gesagt, als getan, denn Schilder sind auf unserem Weg absolute Mangelware und auch die Wandermarkierungen sind oft zweideutig positioniert.

Wir laufen an einer Kuhwiese vorbei. Die Kühe grasen friedlich direkt neben dem Volleyballnetz. Nach einer halben Stunde erreichen wir die zweite Kuhwiese. So idyllisch sie auch aussehen mag, sie hält Schwierigkeiten bereit. Denn von hier aus folgen wir einem Pfad, den wir fälschlicherweise als "offiziell" einschätzen. Nach kurzer Zeit schwindet der Pfad und wir stecken mittem im Wald und haben und schlichtweg verlaufen! Einige Kartendrehungen und Kompassversuche weiter halten wir uns stur an den Kurs und finden wieder aus dem Wald hinaus und finden nur durch Zufall ein Schild, dass zu der Grenzkontrolle Argentiniens hinweist. Kurz darauf kommen wir bei den argentinischen "carabineros" an. In der Mitte vom Nirgendwo spielen die argentinischen Grenzwächter zu dritt Fußball und freuen sich, dass Mal Wanderer vorbei kommen, deren Pässe sie kontrollieren können. Die Anlage der argentinischen Grenzwächter ist idyllisch am Lago Puelo gelegen. Ein Bach plätschert vor sich hin, hinter dem Haus grasen Pferde.

Es bleibt uns nicht viel Zeit, den Charme zu genießen. Denn nach Schnellkochnudelsuppe und ein paar Keksen fallen wir auch schon ins Bett. Bett - das heißt in diesem Fall im Zelt auf der Kuhwiese Nummer drei. Zwischen Kuhfladen und im Kampf mit Bremsen schlagen wir das Zelt auf - nicht ohne noch einen Blick auf den klaren Sternenhimmel zu werfen. Denn hier draußen, am Lago Puelo, schmälert kein Licht der Stadt die Schönheit des Himmelzeltes.
Ein Tag im Niemandsland Die netten Carabineros nehmen sich viel Zeit für unsere Pässe (wer weiß schon, wann die nächsten Urlauber kommen) und wünschen uns eine gute Wanderung. Ein paar Stunden später kommen wir bei den "Los Hitos" an. Auf unserer Wanderkarte wird dies übersetzt mit "Boundary Post - international Pass". Wir suchen also dem Grenzposten, um uns den zweiten Stempel für die Einreise nach Chile geben zu lassen - doch vergebens! So sehr uns der argentinische carabinero eingeschärft hat, dass wir unbedingt an der Grenze halten müssen, so wenig finden wir in dieser Einöde Menschen. Schilder heißen uns in Chile willkommen und es führen viele Wege in unterschiedliche Richtungen. Bei manchen steht dran wohin sie führen, bei anderen nicht. Wir probieren sie alle aus, laufen jeden für einige Minuten ab - ohne Ergebnis - es ist kein carabinero in Sicht, der uns die Einreise bestätigt. Wir schlagen kurzerhand noch auf argentinischer Seite das Zelt auf und heben uns die Einreise bis zum nächsten Tag auf.
Chile Nun geht es auf Schusters Rappen weiter nach Chile. Der Wanderweg ist moderat, etwas Kondition benötigt man schon, aber es ist gut machbar. In Mal mehr, Mal weniger sanftem Auf und Ab stapfen wir durch den Wald. Hier ist es Frühling und die Bäche wegen der Schneeschmelzer nicht immer ganz einfach zu durchqueren. Trotz oft eisiger Wassertemperaturen ziehen wir uns die Wanderschuhe aus; denn das Wasser ist einfach zu hoch! Mit Wandersandalen und hochgekrempelten Hosenbeinen stapfen wir mehr oder weniger elegant durch das kühle Nass. Hier draußen sieht uns ohnehin noch keiner. In fünf Tagen begegnen wir lediglich einer Reitgruppe von etwa zehn Personen. In weniger als einer Minute sind sie auch schon vorbei geritten und der Trek ist wieder menschenleer. An einigen Bächen wurden auch Brücken gebaut. In unserem Fall waren dies zwei Baumstämme, einer rutschiger als der andere, die über den Bach führten. Ein Mal tief durchatmen und schon geht es, das Deutsche Sicherheitsdenken möglichst tief im Hinterkopf verbannt, über die wackelige Konstruktion!
In Chile spielt man Tischtennis Die Carabineros in Chile scheinen keine Fußballfans zu sein, zumindest spielen sie bei unserer Ankunft Tischtennis. Auch hier werden wir freundlich empfangen und es wird viel Zeit auf die Aufnahme unserer Daten verwendet. Nach kurzer Unterhaltung bekommen wir noch wichtige Informationen mit auf den Weg - aus welchem Bach wir Trinkwasser schöpfen können zum Beispiel.
Trotz einiger Irrungen in argentinisch/chilenischen Wäldern - die Wanderung an beiden Seen "Lago Puelo" und "Lago Inferior" beeindruckt uns durch wunderschöne Aussichten, klare Bäche, Seen und Flüsse. Wenn man in der Ruhe der Natur seinen Tee trinkt und dabei die weißen Gletscherspitzen ansehen kann, gibt es für mich keinen besseren Ort auf der Welt!
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