Nach einiger Zeit wollte ich statt des normalen Herumreisens etwas Neues ausprobieren und habe mich im Wwoofen versucht. „Wwoof“ steht für „Willing Workers on Organic Farms“.
Das Konzept gibt es seit den 70er Jahren und es besagt im Wesentlichen, dass jeder, der gern draußen arbeitet und sich für eine ökologische Lebensweise interessiert gegen freie Kost und Logis auf einer Farm mithelfen kann. Die meisten Länder sind Mitglied dieser Organisation und im Land der Kiwis gibt es besonders viele Farmen.
50 Hühner in Warkworth Ich entscheide mich für eine Farm in Warkworth, 90 Kilometer nördlich von Auckland. Hier laufen 50 Hühner herum, drei Kühe grasen friedlich auf der Weide und ein riesiger Obstgarten so weit das Auge reicht. Das Bauernhaus ist alt und gemütlich. Meine Mitwwooferin kommt von den Färöerinseln und stellt sich bald als spannende Gesprächspartnerin heraus.
Was ist wwoofen? Wwoofen ist eine gute und preisgünstige Art Land und Leute besser kennen zu lernen. Farmer, die ökologisch leben, haben oft eine andere Sicht der Dinge als der Durchschnittsbürger. Oft sind sie künstlerisch interessiert und selbst viel gereist. Einige halten exotische Tiere oder besondere Rassen normaler Haustiere, die man im Leben noch nie zuvor gesehen hat.
Unkraut jäten Unser erster Tag startet minder spannend mit Unkrautjäten. Die Bäuerin war früher Künstlerin und ist oft ein wenig zerstreut. Demzufolge fällt die Einweisung recht chaotisch und spärlich aus. Nach drei Stunden harter Arbeit – meine Muskeln sind solcherlei Anstrengungen nicht gewohnt und schmerzen – sind wir fast fertig mit der Schönheitspflege des Beetes. Die Farmerin kommt, begutachtet unsere Arbeit und runzelt die Stirn. Denn wir haben unwissentlich ein paar Salatköpfe enthauptet, die wir fälschlicherweise als Unkraut abgetan haben...
„Willing“ workers heißt manchmal eben auch ein wenig mehr arbeiten. Anschließend geht es noch zum Erdbeerfeld, denn auch sie brauchen mehr Platz als das Unkraut ihnen gibt. Somit zupfen wir hübsche Butterblumen und anderes Unkraut aus dem Erdbeerbeet. Schneckenplage (Nackt)schnecken der Farmerin ein Dorn im Auge, da sie allerlei Gemüse und Obst befallen. Das eine ökologische Farm keine Chemikalien verwendet, gibt es recht viele davon. Deswegen schleppen wir auch zu jedem Beet eine blaue Plastikdose mit. Dort legen wir gewissenhaft die Schnecken hinein – wir verfüttern sie nachher an die Enten. Ich sammele neben dem Unkrautjäten also fleißig allerlei wirbelloses Getier. Dies bereitet mich aber nicht darauf vor, was mit ihnen geschehen soll. Unsere Gastgeberin schneidet die Nacktschnecke nämlich kurzerhand mit dem Küchenmesser in der Hälfte durch! Mir ist vom Anblick übel und ich bleibe bei meinem Verfüttern an die Enten, mehr bringe ich nicht übers Herz.
Markttag in Matakana Wir leben in der Mitte vom Nirgendwo und da freut ein Ausflug in die Zivilisation nach Matakana. Dies ist ein netter Ort am Fluss mit einigen Gallerien. Jeden Samstag gibt es hier einen Markt, auf dem Bauern überwiegend ihre ökologischen Erzeugnisse verkaufen. Feinste Schokolade, Säfte, Gemüse und Obst kann der ökologisch bewusste Käufer dort erstehen. Der Markt ist aber auch ein Ort des “Sehen und Gesehenwerdens”. Alternative, Gutbetuchte, Farmer, Künstler und Touristen kommen jeden Samstag hierher.
Warum sich wwoofen lohnt Trotz teils anstrengender Arbeit kann ich wwoofen jedem empfehlen, der sich für das Landleben erwärmen kann. Man lernt eine Menge über ökologischen Anbau und alternative Persönlichkeiten. Je nach Jahreszeit und Farm fallen unterschiedliche Arbeiten an. Manche Farmen bauen Kiwis an, andere haben sich auf die Schafhaltung spezialisiert. Es gibt etwa 16 Millionen Schafe in Neuseeland – bei einem Land von vier Millionen Einwohnern! |