Kjerag

NorwegenZwischen zwei steil abfallenden Felswänden eingeklemmt, 1000 Meter über dem Fjord, hängt der sogenannte „kjeragbolten“.

Einige Mutige trauen sich hinaufzuklettern. Im Allgemeinen wird der Stein und die nahe Umgebung einfach nur „Kjerag“ genannt. Die Natursehenswürdigkeit liegt in der norwegischen Provinz Rogaland. Ganz einfach und ungefährlich ist die Klettertour auf den Stein jedoch nicht. Allerdings ist bisher erstaunlicherweise noch nie etwas passiert, alle Wanderer sind heil hinauf und auch wieder hinunter gekommen. Bevor wir am Ziel die Aussicht genießen können, müssen wir allerdings uns diese jedoch noch durch eine anstrengende Wanderung verdienen.

Wir stärken uns unten auf dem Parkplatz noch einigen leckeren norwegischen Würstchen und bestaunen die riesigen Wohnwagen der Deutschen. Deutsche sind bei den Norwegern als diejenigen bekannt, die im Sommer im Wohnwagen durch die Berge fahren und an den entlegensten Orten halten, um Fotos zu machen. Wenn die Norweger davon erzählen, dann schwingt ein wenig Stolz über die Schönheit ihres Landes mit. Gleichzeitig sind sie aber amüsiert, dass in der letzten Ecke in den Bergen immer noch ein Deutscher anzutreffen ist.

Die Wanderung beginnt an dem Øygardstølen – einem 640  Meter über dem Fjord gelegenem Restaurant. Hier lohnt ein Blick auf den verschlungenen Weg zu dem kleinen, am Fjordende gelegenen, Ort Lysebotn. Aus der Vogelperspektive sind die Serpentinen auch das Motiv zahlreicher Postkarten. Lysebotn ist nun nicht gerade ein Eldorado. Denn obwohl an einem der idyllisten Orte der Welt gelegen, sind die Häuser häßlich und peinlich genau strukturiert gebaut. Dort hinunter sollte nur, wer eine der kurvenreichsten Straßen der Welt fahren und austesten möchte, ob ihm dabei übel wird oder nicht.

Der Weg hoch zu Kjerag ist recht gut markiert, auch wenn die Markierungen leider nicht immer den besten Weg zeigen. Nach gut 2,5 Stunden erreicht man den Kjeragbolten. Der Wanderstieg führt über die nackten, typischen norwegischen grauen Felsen. Gutes Schuhwerk ist bei dieser Tour wichtiger denn je, denn es kann auf diesem Untergrund schnell rutschig werden. Auch ist es oben kälter, als man so denkt. Somit konnte man klar sehen, wer vorher den Reiseführer durchgelesen hatte und wer nicht. Denn diejenigen, die besser vorbereitet waren als wir, hatten ein paar Handschuhe und Mützen dabei.

Durch grüne Täler, vorbei an Bächen und atemberaubenden Fjordaussichten gelangt man schließlich zu Kjerag und dem dortigen Plateau. Das Plateau ist ein gemütlicher Ort, um nach getaner Wanderung in aller Ruhe zu picknicken oder sich mit dem Campingkocher etwas Warmes zu kochen. Zudem ist es auch bei Basejumpern sehr beliebt, wegen der ständig wechselnden Winde jedoch auch berüchtigt.

Hier oben klettern Mutige auf den 5 m³ großen Kjerag-Stein. Das Gleichgewicht verlieren darf man dabei allerdings nicht, denn es geht 1000 Meter steil in den Fjord hinab. Wir entschließen uns dazu, dass wir nicht mutig sein müssen und schauen den anderen mit flauem Gefühl zu, wie sie hinaus- und wieder auf festen Boden hinein balancieren. Freunde schießen Fotos, Pärchen küssen sich auf dem Kjeragbolten – die Profilbilder für verschiedene Blogs sind fertig.

“Das wäre in Deutschland nie erlaubt. Viel zu unsicher.” hören wir noch einen anderen Deutschen auf gebrochenem Englisch sagen. Es wird nicht so ganz klar, ob ihm das eigentlich gefällt oder nicht...
 
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